Glückliche Kinder . . . glückliche Eltern . . .

Wie immer steht alles in Verbindung. Dieses Thema ist so vielschichtig, dass es eine ganze Reihe von Vortragsabenden füllen könnte. Es berührt die wirklich grundlegenden Dinge des Lebens – ist also lebensnah. Folglich müssten wir, wenn wir auf unsere innere Stimme hören, doch ganz gut wissen, wie wir mit unseren Kindern umgehen sollen. Und tatsächlich wissen wir es meistens.

Schwierig wird es, wenn es Probleme gibt, die uns verunsichern. Hier lohnt es sich, kompetenten Rat zu holen. Dieser hilft Ihnen, die psychologischen Abläufe in der Kindesentwicklung sowie in der Eltern-Kind-Beziehung zu erfassen. Dabei erfahren Sie auch wie Prägungen übertragen werden und wie die Kraft der Gedanken wirkt. Kennt man die Gesetzmäßigkeiten des Lebens und Lernens, so lassen sich Schwierigkeiten viel besser lösen. Das Gute ist, dass hierzu kein großes theoretisches Wissen nötig ist, sondern dass man die Dinge mit klarem Menschenverstand und Einfühlungsvermögen nachvollziehen und überprüfen kann. Wenn ich das Wesentliche zusammenfassen soll, dann lautet der Titel:

Erziehung in Liebe und Achtsamkeit

Was braucht ein Säugling? Liebe, Wärme, Geborgenheit, Nahrung – so einfach kann Glück sein.
Die Geburt an sich ist ja schon beängstigend genug und dann ist das neue Erdenkind plötzlich getrennt – raus aus der Einheit! Mit dem ersten Atemzug beginnt das Leben in der Polarität.

Jetzt müssten wir Mütter eigentlich nur auf unsere Instinkte hören. Die Ratgeber darf man vorher lesen und dann wieder vergessen. Was wichtig war, kommt uns im rechten Moment wieder in Erinnerung. Aber es ist eigentlich ganz logisch.
Alle Primaten tragen ihre Babys bei sich und der Greifreflex bei Neugeborenen lässt ahnen, wie tief diese alten Muster auch in uns noch lebendig sind und wie groß das Bedürfnis nach Nähe ist. Wer mag, trägt sein Baby im Tuch oder Tragegestell, aber auch im Kinderwagen fühlt es sich wohl, wenn es die Nähe und emotionale Wärme von Mama oder Papa oder einer anderen nahen Bezugsperson spürt. Am besten wäre es, auch das Kinderbettchen zunächst ins Elternschlafzimmer zu stellen, was Männern zuweilen den Schreck in die Glieder treibt – als ob ihre eigenen Kinder ihre Rivalen wären bei der Gunst der Frau. Aber keine Angst; es ist das Natürlichste der Welt, sich zuerst um das Baby zu kümmern. Das sichert den Fortbestand und ist ein ganz altes Muster.
Die Frau kümmert sich um das Neugeborene. Der Mann tritt in seinen Ansprüchen zurück. Er beschützt und versorgt Frau und Kinder, weil er sie liebt und sich mit ihnen freut. Er hat keine Angst nicht mehr geliebt zu werden, weil seine Frau ein Baby hat – es ist ebenso sein Baby. Die Frau spürt seine Liebe und seine Verbundenheit. Das wiederum macht sie glücklich und aus diesem Glück heraus liebt sie ihren Mann.
Es ist ein ganz einfacher Kreislauf, in dem keiner Angst hat zu kurz zu kommen. Es sind schöne, uralte und gute Muster – archetypische Muster. Sie sind viel älter als unsere moderne Welt, aber trotzdem nicht weniger gültig. Wir dürfen sie unserer Lebensweise anpassen, wenn wir sie jedoch vergessen oder verleugnen, verlieren wir etwas sehr Wertvolles – das Glück des Miteinander-Seins.

Sind deine Kinder klein, gib ihnen Wurzeln – sind sie groß, gib ihnen Flügel.

Sobald das Kind krabbeln und laufen kann, braucht es seine Mutter als Versorgerin, als Schutz und Zufluchtsort, als Partner um spielend zu lernen, als Ermutigung beim Erkunden seiner Welt. Und das Ganze kann der Vater auch und oft noch besser, weil er (besonders wenn die Kinder größer werden) nicht so ängstlich ist. Das Kind löst sich also etwas von der engen Mutterbindung. Die Mutter ist noch wichtig, jedoch eher als emotionaler Halt im Hintergrund. So schreitet die Entwicklung fort. Auch in der kleinen Familie ist der Welpenschutz irgendwann vorbei. Weil das Kind anfangs genug Liebe und Nähe aufgetankt hat, konnte es Vertrauen in seine Familie und sich selbst entwickeln. Daher kann es nun auch ertragen, dass es nicht allein der Mittelpunkt der Welt ist; dass es andere Menschen gibt, die auch wichtig sind, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden – und dass es ihm trotzdem gut geht. Wenn hier Kämpfe entstehen ist es ganz wichtig, auf falsches Verhalten direkt zu reagieren – keine verzögerten Strafen und auf gar keinen Fall Liebesentzug. Eine klare Reaktion auf ein unangemessenes Verhalten ist auch für ein kleines Kind verständlich. Danach ist man liebevoll und wertschätzend wie zuvor. Man trägt nichts nach und somit ist auch die Beziehung nicht belastet. Es ist unglaublich einfach, man braucht nur etwas liebevolle Konsequenz. Dies fällt mitunter gerade uns Müttern schwer. Wir wollen, dass unsere Kinder glücklich sind und halten es deshalb schlecht aus, sie unglücklich zu sehen. Aber die Kleinen erholen sich erstaunlich gut – und sie lieben uns – auch wenn sie den Lutscher nicht bekommen oder eine momentane Wut nicht an uns oder anderen ausleben dürfen.

Liebe hat nichts mit Unterwerfung zu tun!

Wirklich lieben bedeutet manchmal, gerade nicht das zu tun, was die geliebte Person von uns verlangt. Liebe ist weitsichtig und gütig, sie verzeiht, lässt sich jedoch nicht erpressen. Wir sollten unsere Kinder achtsam und wertschätzend erziehen. Wir achten auf sie, auf ihre Gefühle, auf das was sie sagen und vorschlagen, wir denken über ihre Wünsche nach, wir helfen ihnen so weit das möglich ist sie zu verwirklichen  . . .  und das Gleiche erwarten wir (mit fortschreitendem Alter) von Ihnen uns gegenüber. So können wir miteinander lernen. Die Kinder müssen sich uns nicht unterwerfen damit wir sie lieben, denn Liebe ist kein Tauschgeschäft nach dem Motto: „Wenn du lieb bist, hab ich dich lieb.“ Aber auch wir müssen uns nicht erpressen lassen nach dem Motto: „Wenn du mich lieb hast, machst du alles was ich will.“
Indem wir uns so verhalten, können unsere Kinder wichtige Erfahrungen im Zusammenleben machen. Die Familie sorgt für die „Wurzeln“, den Schutz und die Beständigkeit. Hier darf das Kind seine ersten Lernerfahrungen sammeln, hier darf es durch Versuch und Irrtum und neuen Versuch immer weiter lernen. Hier gibt es keine Schuldzuweisung – nur Verantwortung. Ein Kind, das sein Trinkglas umwirft, muss man nicht schimpfen. Es ist bestimmt erschrocken genug. Man lässt einfach die natürliche Konsequenz folgen. Wenn es noch klein ist, zeigt man ihm, wie das Aufwischen geht und hilft mit. Später kann es das dann alleine. Oft sind wir zu hektisch oder perfektionistisch und nehmen uns keine Zeit, den Kindern Verantwortung zu übertragen. Aber sie müssen es ja schließlich lernen. Es hilft Kindern in ihrer Entwicklung kein bisschen, wenn wir ihnen erst alle Arbeit/Verantwortung abnehmen und uns dann hinterher über sie beschweren.

Lieben heißt loslassen können.

Jetzt sind wir bei den Flügeln. Je größer die Kinder werden, um so mehr Freiraum brauchen sie. Sie sind wie junge Bäume. Ihr Stamm steht – noch beschützt – in der Familie und ihre Äste recken und strecken sich nach außen. Unsere Aufgabe ist es nun, ihnen zu helfen ihren eigenen Weg zu finden. Meist werden wir nicht gefragt. In wichtigen Dingen sollten wir aber versuchen im Gespräch zu bleiben. Ratschläge kommen schlecht an. Das Interesse steigt jedoch, wenn man einfach von der eigenen Jugend oder eigenen Erfahrungen erzählt. Die Pubertät ist eine Zeit der Reibung und Ablösung. Dies ist wichtig auf dem Weg zum Erwachsenwerden. War das familiäre Fundament jedoch von Liebe, Achtsamkeit, Verantwortlichkeit und Vertrauen geprägt, so wirken diese grundlegenden Einstellungen weiter. Das heißt jetzt nicht, dass Eltern immer perfekt sein müssen – das wäre eine Illusion und ein viel zu hoher Anspruch. Wir dürfen, wie unsere Kinder, auch Fehler machen und dazu lernen. Und wir dürfen uns verabschieden von dem veralteten Theaterspiel, dass Eltern alles besser wissen und immer einer Meinung sind. Das sind sie nicht und das wissen die Kinder ganz genau. Leben wir lieber vor wie man sich trotz Enttäuschungen oder Streit verständigt, Kompromisse findet, kreativ ist und rücksichtsvoll. Leben wir lieber vor wie man mit den Höhen und Tiefen des Lebens umgeht, dass es immer irgendwie weiter geht und dass es nicht immer perfekt sein muss.
Was unsere Kinder von uns annehmen liegt nicht allein in unserer Hand. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal, seine Lebensaufgabe, sein Potential und will seine eigenen Erfahrungen machen. Wenn die Kinder halbwüchsig sind, kann einem als Mutter schon einmal der Gedanke kommen, dass man einfach nur dazu da war, diesen eigenständigen Wesen auf die Welt zu helfen, sie aufzuziehen bis sie flügge sind, um sie dann frei fliegen zu lassen in das Abenteuer des Lebens.